Infektionskrankheiten/Impfen

VIEL ZURÜCKHALTUNG BEI IMPFUNGEN

Das Internet und Soziale Medien haben Gesundheitsexperten zufolge die Dynamik von impfkritischen Informationen verstärkt. Offensichtlichstes Beispiel ist die Entwicklung von Masern-Erkrankungen.

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Die WHO meldete im September 25 000 neue Fälle von Masern. Dieser enorme Anstieg gehe zumindest zum Teil auf eine Welle von Gerüchten über angebliche Schäden durch die Masern-Mumps-Rötelimpfung zurück, machte die britische Gesundheitsexpertin Heidi Larson beim Europäischen Gesundheitskongress in Bad Gastein deutlich.

Im Bereich der Impfungen für Erwachsene sei die Zurückhaltung besonders auffällig. So hätten im Vorjahr gerade einmal 49 Prozent aller jungen Frauen in den USA die erste von drei empfohlenen Impfungen gegen den HP-Virus erhalten. Nur ein Drittel von ihnen sei auch zum dritten Impftermin. Zurückhaltung gibt es auch bei der Influenza-Impfung. Wie die Zeitschrift Vaccines Today berichtete, lagen die meisten Länder der WHO und EU weit unter dem Ziel einer 75-prozentigen Durchimpfung.

Während sich in den Niederlanden jährlich 82 Prozent der älteren Menschen impfen lassen, liegt die Durchimpfungsrate in dieser Gruppe in Polen nur bei 16 Prozent. In der Tschechischen Republik oder der Slowakei sind ebenfalls weniger als ein Drittel der älteren Menschen geimpft. In einem kürzlich in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlichten Artikel bezeichneten Larson und ihre Kollegen diese Entwicklung als „Vertrauenslücke in Impfungen“. Von neuen Impfungen werde eine genaue Evidenz verlangt, was Wirksamkeit, Sicherheit oder Machbarkeit betrifft, so Larson.

„Was aber bisher so gut wie nicht erforscht wurde, sind die vielfältigen psychologischen, sozialen und politischen Faktoren, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in Impfungen beeinflussen können.“ Dies müssten von politischen Entscheidungsträgern stärker berücksichtigt werden. Quelle: aerzteblatt.de

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