Nahaufnahme von geschnittenen frischen schwarzen Trüffel© bonchan / iStock / Getty Images Plus
TrĂĽffel sind beliebt und haben in jĂĽngster Zeit eine erstaunliche Karriere hingelegt.

Ăśberhyped?

TRĂśFFEL IM TREND: WIE DER EDELPILZ VOM LUXUSPRODUKT ZUM ALLTAGSSNACK WURDE

Trüffel sind längst nicht mehr nur in der Sterneküche zu Hause. Vom edlen Gericht bis zum Burger mit Trüffelöl: Der Edelpilz wird massentauglich – und polarisiert dennoch wie kaum ein anderes Lebensmittel.

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Es war einmal, dass TrĂĽffel nur beim teuren Italiener oder Franzosen auf der Speisekarte zu stehen schien. Inzwischen ist der Edelpilz auch im Restaurant um die Ecke zu bekommen – und zumindest als TrĂĽffelöl-Mayo in fast jeder Burger-Bude.

Der erdige Geschmack legte in jüngerer Zeit eine erstaunliche Karriere hin. Wie ist es dazu gekommen – und warum?

Fakten ĂĽber TrĂĽffel

Zunächst Grundsätzliches: Der oder die TrĂĽffel (beides geht sprachlich; der Plural lautet „TrĂĽffeln“, ist umgangssprachlich aber meist ohne „n“) sind unterirdisch wachsende Pilze, die als Delikatessen gelten. Fans schätzen sie fĂĽr ihr Umami-Aroma (wohlschmeckend, herzhaft, wĂĽrzig, fleischig):

  • Die edlen TrĂĽffel wachsen in Verbindung mit einer Wirtspflanze, meist Bäume.
  • Sie gedeihen in ziemlich vielen Klimazonen – ihr natĂĽrliches Verbreitungsgebiet liegt in Mittel- und SĂĽdeuropa, aber sie werden inzwischen weltweit angebaut.
  • Es gibt unterschiedliche Sorten, was Aussehen und Aroma angeht.
  • WeiĂźe TrĂĽffel (wie die Alba-TrĂĽffel (Tuber magnatum)) haben intensive Noten von Knoblauch und Käse. Sie werden oft kurz vor dem Verzehr roh ĂĽber den Teller gehobelt und können Tausende Euro pro Kilogramm kosten.
  • Schwarze TrĂĽffel, etwa der PĂ©rigord-TrĂĽffel (Tuber melanosporum) oder der Sommer-TrĂĽffel (Tuber aestivum), sind etwas gĂĽnstiger, milder, schmecken eher nussig. Sie kommen öfter in SoĂźen oder TrĂĽffelpasta, bei zu viel Hitze geht jedoch auch bei ihnen das Aroma verloren.
  • In Europa gehört Spanien zu den größten TrĂĽffel-Lieferanten.
  • Entgegen verbreiteter Meinung können TrĂĽffel durchaus angebaut werden. In Deutschland passiert das zunehmend.
  • Wilde TrĂĽffel dĂĽrfen nicht geerntet werden – sie stehen im Bundesnaturschutzgesetz auf der Liste der besonders geschĂĽtzten Arten.

Gehen wir auf genauere Spurensuche. Der Kulturwissenschaftler und Autor Peter Peter verortet den Trüffel-Trend in den letzten 10 bis 15 Jahren. „Es ist eine gewisse Demokratisierung einer ursprünglich luxuriösen Speise“, sagt Peter („Vive la Cuisine! Kulturgeschichte der französischen Küche“, „Cucina & cultura – Kulturgeschichte der italienischen Küche“).

Es ist eine gewisse Demokratisierung einer ursprünglich luxuriösen Speise.

TrĂĽffelpasta: Vom Edelgericht zur AlltagskĂĽche

Paris, Place Madeleine: Im Gourmetlokal „Maison de la Truffe“ (Trüffelhaus) hat man sich seit 1932 darauf spezialisiert, irgendwie alles zu trüffeln. Darunter sind Klassiker wie Carpaccio, Vitello Tonnato, Hummer-Risotto, Fettuccine mit Foie Gras – oder eben Trüffelpasta in allen Variationen.

Selbst Eiscreme – als Dessert mit Trüffelöl. Die Preise sind gepfeffert oder gesalzen, wie man so sagt. Oder: getrüffelt halt.

Trüffelöl – günstiger Luxus im Alltag

Berlin, Pariser Platz, „Hotel Adlon Kempinski“. Hier am Brandenburger Tor wird in der Lobby am Elefantenbrunnen getrüffelter Döner serviert. Das Fladenbrot vom „Adlon Döner Kebab“ (37 Euro) ist gefüllt mit Kalbsrücken, frischem Trüffel, Trüffelöl, Trüffelcrème, roten Zwiebeln, Kraut und Tomaten.

Doch längst hat der TrĂĽffel – der sogenannte Diamant der gehobenen KĂĽche – diese Welt elitärer Gastronomie verlassen. Heute haben in Deutschland auch viele Mittelklasse-Restaurants Gerichte mit TrĂĽffel auf der Karte, mindestens TrĂĽffelpasta – sei es in Bottrop oder in Cottbus. Besonders TrĂĽffelöl hat sich als Alltagszutat etabliert.

TrĂĽffel kaufen: Beliebt bei jungen GenieĂźerinnen und GenieĂźern

Das war vor gut 20 Jahren noch anders. 2003 sah sich Michel Friedman in einer Dokumentarfilmreihe veranlasst, Christoph Schlingensief zu zeigen, wie man Trüffelpasta richtig esse. Heute dagegen stehen schon Teenager auf das schwarze Gold – zumindest manche aus gut situierten Familien.

Haute Cuisine für alle. Also für alle, die es sich leisten können, denn der Teller Nudeln mit Trüffelöl, Trüffelcreme oder frisch gehobelten Trüffeln kostet schnell über 20 Euro. Wer Trüffel kaufen möchte, kann dies mittlerweile in Feinkostabteilungen, im Onlinehandel oder sogar auf Wochenmärkten tun – teils auch als deutsche Ware.

Trüffelanbau in Deutschland – steigende Nachfrage

Seit gut zehn Jahren gibt es in Deutschland eine steigende Zahl von Menschen, die TrĂĽffel kaufen und selbst anbauen möchten. „Wir schätzen die Zahl der TrĂĽffelanbauer bundesweit auf derzeit etwa 400“, sagt Ulrich Stobbe vom Verband fĂĽr TrĂĽffelanbau und Nutzung in Deutschland.

Deutsche Trüffel seien oft von besserer Qualität als weitgereiste aus dem Ausland. Die Gesamtanbaufläche beträgt rund 600 Hektar und hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt – nicht zuletzt, weil auch hierzulande immer mehr Menschen Trüffel kaufen wollen. Hauptsorte: der Burgunder-Trüffel.

Doch Vorsicht: Viele Gerichte nutzen lediglich Trüffelöl mit künstlichem Aroma. Der Einsatz echter Trüffel beschränkt sich oft auf Späne für die Optik. Die Qualität variiert – ein Grund, warum Verbraucherinnen und Verbraucher beim Trüffel kaufen auf Herkunft und Inhaltsstoffe achten sollten.

Die Gesamtanbaufläche beträgt rund 600 Hektar und hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt.

Trüffel – ein ethisch vertretbares Luxusprodukt?

Unter den Luxuslebensmitteln wie Hummer, Austern, Kaviar oder Gänseleber gilt der Trüffel als das politisch korrekteste. Trüffelöl und Trüffelpasta lassen sich zudem vegetarisch und oft vegan zubereiten. Auch deshalb greifen viele, die bewusst einkaufen, eher zu Trüffel-Produkten.

Kritik gibt es trotzdem: etwa an der Haltung der Spürhunde, die zum Aufspüren eingesetzt werden. Wer Trüffel kaufen möchte, sollte sich über Herkunft und Produktion informieren.

TrĂĽffel zwischen Frankreich, Italien und Kroatien

Lange galt der Trüffel als französisches Kulturgut. Heute wird er vor allem mit italienischer Küche assoziiert: Pizza Tartufo, Trüffelpasta, Tagliolini mit cremiger Sauce. Auch Kroatien hat sich als Land mit hochwertigen Trüffeln etabliert. Kein Wunder, dass viele Feinschmecker dort Trüffel kaufen und gleich verkosten.

Fazit: Trüffel polarisieren – und bleiben gefragt

Die Nachfrage nach TrĂĽffel steigt weltweit. Ob in Form von TrĂĽffelöl, als frische Knolle oder verarbeitet in TrĂĽffelpasta – der Pilz bleibt ein Symbol fĂĽr Genuss. Wer heute TrĂĽffel kaufen will, hat mehr Möglichkeiten als je zuvor.

Trotzdem: Der Geschmack ist speziell und nicht fĂĽr alle. Doch genau das macht den Reiz aus.

Quelle: dpa

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