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Tiere in der Apotheke

TIERISCHE RÜCKENSCHMERZEN

Man denkt es nicht, aber sie gehören zu den häufigen Beschwerden in der Kleintierpraxis. Nicht immer liegen Wirbelsäulenerkrankungen zugrunde, vielmehr können Rückenschmerzen durch verschiedene Krankheiten ausgelöst werden.

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Hunde mit Rückenschmerzen werden dem Tierarzt regelmäßig vorgestellt, wobei es nicht immer einfach ist, die Ursache für die Beschwerden herauszufinden. Es kann sich um Stauchungen, einen Bandscheibenvorfall oder um Frakturen der Wirbelsäule nach einem Unfall handeln. Bei einem Großteil der Patienten ist der Grund für die Beschwerden aber nicht offensichtlich, daher sind weitergehende Untersuchungen und Therapiemaßnahmen nötig.

Belastbarkeit hat ihre Grenzen Grundsätzlich ist die Wirbelsäule des Hundes von der Natur für große Belastungen vorgesehen. Trotz dieser natürlichen Robustheit haben Gebrauchs- und Sporthunde häufig Beschwerden im Wirbelsäulenbereich, was auf einen Zusammenhang zwischen (Über)-Belastung und Rückenschmerz hindeutet. Oft taucht das Problem bei Deutschen Schäferhunden auf, die infolge einer wahrscheinlich erblichen Veranlagung gehäuft an Erkrankungen in der unteren Lendenwirbelsäule leiden. Auch angeborene Missbildungen der Wirbelsäule können Auslöser für spätere Rückenschmerzen sein. Darüber hinaus kann auch eine Hirnhautentzündung (Meningitis) zu Rückenschmerzen führen.

Betroffen sind im Allgemeinen junge Hunde mittlerer bis großer Rassen wie Berner Sennenhunde, Boxer und Retriever sowie Mischlinge. Neben den Schmerzen werden Temperaturerhöhung und eine mehr oder weniger ausgeprägte Teilnahmslosigkeit beobachtet. Ursache sind Veränderungen in der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit auf Grund einer starken Vermehrung von Entzündungszellen. Krebs kann ebenfalls Rückenschmerzen auslösen. Dank der Fortschritte in der Tumor-Therapie werden heute auch Rückenmarks- und Wirbelsäulentumore vielfach mit gutem Erfolg behandelt.

Eine umfassende Abklärung von Rückenschmerzen bezieht nicht nur Wirbelsäule und Rückenmark in die Untersuchung ein. Das beim Menschen bekannte Phänomen des „Ausstrahlungsschmerzes“ scheint auch bei Tieren zu existieren. Obwohl betroffene Hunde offensichtlich an Rückenschmerzen zu leiden scheinen, liegt die Erkrankung nicht im Rücken selbst, sondern in anderen Organen wie der Prostata oder den Nieren. Die Schmerzsignale laufen dabei auf jenen Nervenbahnen, die auch bei Rückenschmerzen stimuliert werden. Durch diesen „Irrtum“ in der Schmerzübermittlung werden die Schmerzen vom Patienten an einer anderen Stelle – zum Beispiel eben in der Wirbelsäule – empfunden.

Häufig unspezifische Symptome Die Symptome bei Rückenschmerzen gleichen oft denjenigen bei Bauchschmerzen. Deshalb werden viele Hunde mit Rückenschmerzen zuerst als „Bauchschmerz-Patienten“ vorgestellt, da sich Rücken- probleme unter anderem durch Bewegungsunlust, steifen Gang, aufgekrümmten Rücken, verspannte Rücken- und Bauchmuskulatur, Schmerzäußerungen beim Hochheben oder Streicheln, Verweigerung von Sprüngen und Bewegungsstörungen (Lahmheit oder Lähmungserscheinungen) auf einer oder mehreren Gliedmaßen äußern.

Weitere, eher unspezifische Hinweise für das Vorliegen eines Wirbelsäulenproblems sind häufiges Hinsetzen bei Spaziergängen oder ein schwankender Gang. Im schlimmsten Falle treten akute, hochgradige Schmerzen zusammen mit Lähmungen der Gliedmaßen auf. Lähmungen weisen auf eine schwere Beeinträchtigung der Rückenmarksfunktion hin und stellen somit einen absoluten Notfall dar, der sofort behandelt werden muss. Dazu gehört unter anderem auch der Bandscheibenvorfall.

Die „Dackellähme“ Bandscheibenvorfälle entstehen als Folge von degenerativen Veränderungen der Bandscheiben, das heißt, dass es durch die normalen Alterungsvorgänge, durch Überbelastung, Übergewicht oder durch Rasseprädisposition zu einer Schwächung des Bandscheibengewebes kommt. Oft reicht bereits ein geringes Trauma aus, wie beispielsweise der Sprung ins Auto, damit bei einer vorgeschädigten Bandscheibe ein Vorfall ausgelöst wird. Dies gilt besonders für Rassen wie Dackel: So weist die Bezeichnung „Dackellähme“ bereits auf das häufige Vorkommen dieser Erkrankung bei der Rasse hin.

Daneben sind auch Cocker Spaniel, Pekinese, Malteser, Shi-Tzu und generell viele Zwerg- und Kleinhunderassen davon betroffen. Bereits im Alter von einem Jahr können Degenerationserscheinungen im Röntgenbild ersichtlich sein. Welche Symptome ein Bandscheibenvorfall verursacht, hängt von der Kompression des Rückenmarks ab. Ist die Halswirbelsäule betroffen, sind ein steifer Hals, Laufen mit gesenktem Kopf oder Aufjaulen bei bestimmten Kopfbewegungen typische Anzeichen. Auch Berührungen werden oft als schmerzhaft empfunden.

Ein aufgekrümmter Rücken wird ebenfalls beobachtet. Bei stärkerer Kompression des Rückenmarks können unterschiedlich schwere Lähmungserscheinungen auftreten. Die Behandlung richtet sich in erster Linie nach dem Schweregrad. Bei einem leichten Bandscheibenvorfall ohne Lähmungserscheinungen und mit normaler Blasen- und Darmfunktion ist eine Behandlung mit schmerzstillenden Medikamenten und Ruhighaltung meist ausreichend. Bei Lähmungserscheinungen, Harn- oder Kotabsatzstörungen und starken Schmerzen ist eine Operation sinnvoll. Die Prognose hängt davon ab, wie stark das Rückenmark geschädigt ist. Leichte Fälle, die rasch behandelt werden, haben eine bessere, Blasen- oder Darmlähmungen dagegen eine schlechte Prognose.

Reha auch für Hunde Voraussetzungen für eine Heilung sind eine rasche und exakte Diagnose, adäquate Behandlungsmaßnahmen, operative Eingriffe und die richtige, oft langwierige Versorgung des Patienten nach der Operation. Operiert werden sollte immer dann, wenn Ausfälle der Nerven- und Rückenmarksfunktion festgestellt werden. Zwar können sich Hunde mit schweren Lähmungen auch ohne Operation wieder erholen, aber dies ist im Einzelfall nicht vorauszusehen. Ein abwartendes Verhalten kann zudem zu irreversiblen Schäden am Nervengewebe führen, sodass auch eine Operation nicht mehr zu einer Erholung führt.

Ist die Schmerzempfindung an den gelähmten Gliedmaßen länger als 48 Stunden erloschen, besteht nur noch eine geringe Aussicht auf eine Heilung des gelähmten Tieres. Je nach Schweregrad und Dauer der Lähmung erholen sich die operierten Patienten mehr oder weniger rasch. Sind die Patienten gelähmt und ist eine längere Erholungszeit zu erwarten, hat sich ein „Rehabilitationsprogramm“ aus physiotherapeutischen Übungen, Schwimmtraining und Massage als erfolgreich erwiesen. Weitere Maßnahmen wie entzündungshemmende Medikamente und Akupunktur können die Genesung unterstützen.

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER APOTHEKE 11/18 ab Seite 116.

Dr. Astrid Heinl, Tierärztin

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