Duftgespräche

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Menschen kommunizieren überwiegend akustisch und visuell, also sprachlich/körpersprachlich. Doch auch Gerüche dienen sozialer Kommunikation und übertragen Emotionen.

Kennen Sie das auch? Den sprichwörtlichen Angstschweiß? Wir alle kennen Situationen, in denen man besonderem Stress ausgesetzt ist, etwa vor Prüfungen oder Vorstellungsgesprächen, und als Reaktion darauf vermehrt schwitzt. Was uns weniger bewusst sein dürfte ist der Umstand, dass wir über Duftstoffe, die sich in unserem Schweiß befinden, auch etwas über unsere aktuelle Gemütslage preisgeben: Sätze wie „Ich konnte seine Angst förmlich riechen“, sind daher nicht nur als Metapher zu verstehen, die man vielleicht aus Romanen oder Actionfilmen kennt, sondern tatsächlich wörtlich zu nehmen: Man kann Angst tatsächlich riechen! Was also lange Zeit umstritten war, nämlich die Frage, ob Menschen ähnlich wie viele Tierarten über Duftstoffe kommunizieren können, gilt inzwischen als gesichert: Insbesondere soziale Informationen werden auch bei uns Menschen über den Körpergeruch ausgetauscht.

Nur mit Hilfe unserer Nase sind wir in der Lage, Personen zu erkennen oder Aussagen über deren Alter und Geschlecht zu treffen. Auch verraten uns die Menschen um uns herum mittels körpereigenem Duftcocktail viel über ihren derzeitigen körperlichen oder emotionalen Zustand, also etwa ob sie krank sind, glücklich oder unglücklich, aggressiv, angeekelt, zornig oder eben ängstlich. Dabei sind Frauen offenbar deutlich besser darin, die sozialen Duftinformationen zu dekodieren als Männer.

Testen kann man dies, indem man Personen zum Beispiel Stresssituationen aussetzt und dabei ihren Achselschweiß auffängt. Dieser enthält Duftstoffe, die von apokrinen Schweißdrüsen produziert werden, welche sich neben den Achselhöhlen auch an den Brustwarzen und im Genitalbereich befinden und bei Stress mittels Adrenalinausschüttung durch das sympathische System aktiviert werden. Wie sich zeigte, bewirkten die im Schweiß enthaltenen Duftstoffe bei anderen Personen emotionale Reaktionen, die denen entsprachen, in denen sich der Schwitzende befand: Empfand dieser Ekel, so zeigte auch der Riechende entsprechende Abwehrreaktionen, empfand er Angst, so übertrug sich auch diese. 

Angst kann man riechen.

Nachweisen lässt sich diese Übertragung emotionaler Zustände etwa an Gesichtsausdrücken, aber auch mittels Messung der Hirnaktivität, beispielsweise in den für die Verarbeitung von Angstzuständen relevanten Hirnbereichen des Limbischen Systems, etwa der Amygdala. Der evolutive Nutzen dieser olfaktorischen Kommunikation liegt dabei auf der Hand: In frühen, vorsprachlichen Zeiten der Menschheitsgeschichte erhöhte es vermutlich die Überlebenschancen, wenn man sich von der Angst eines Sippenmitgliedes, welches vielleicht gerade ein Raubtier erblickt hatte, „anstecken“ lassen konnte, um so ebenfalls rechtzeitig die Flucht zu ergreifen und dem Angreifer zu entkommen, auch wenn man ihn nicht selbst gesehen hatte. Und offensichtlich funktionieren diese alten Mechanismen auch heute noch: Wir Menschen als soziale Wesen kommunizieren mit allen Sinnen – eigentlich ein schöner Gedanke, selbst wenn es dabei mal unangenehm riecht, finden Sie nicht auch?

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER APOTHEKE 12/17 ab Seite 12.

Zur Person
Prof. Dr. Schulze, Hirnforscher
Holger.Schulze@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Schulze ist Leiter des Forschungslabors der HNO-Klinik der Universität Erlangen-Nürnberg sowie auswärtiges wissenschaft- liches MItglied des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg. Seine Untersuchungen zielen auf ein Verständnis der Neurobiologie des Lernens und Hörens. www.schulze-holger.de

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