Wir blicken von oben auf eine Schüssel voller Cranberrys, die auf einem Holzbrett steht. Daneben liegt ein Leinentuch sowie ein Holzlöffel, der ebenfalls Cranberrys enthält.© gitusik / iStock / Getty Images Plus
Die Cranberry, zu deutsch Moosbeere, wird traditionell schon lang gegen Blasenentzündung angewendet. Eine Übersichtsstudie bestätigt ihre vorbeugende Wirkung gegen Rezidive.

Rezidivierende Blasenentzündung

CRANBERRIES, SIE HELFEN DOCH!

Cranberry-Präparate können sinnvoll gegen Blasenentzündungen sein, wenn Frau sie präventiv nimmt. Zu diesem Schluss kam ein Wissenschaftsteam aus Österreich.

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Häufig wiederkehrende Blasenentzündungen sind vor allem für Frauen ein Thema. Durch ihre Anatomie erkranken sie sehr viel häufiger daran als Männer. Im Akutfall helfen Antibiotika sehr schnell. Doch es gibt auch die unkomplizierten Blasenentzündungen: Die heilen bei fast der Hälfte aller betroffenen Frauen auch ohne Antibiotika innerhalb von einer Woche ab. Zur Prävention hat die Apotheke eine Fülle von Präparaten parat – mit Cranberry, Löwenzahn, Tausengüldenkraut; als Tee, als Kapseln, als Pulver. Aber helfen die wirklich?

Die Geißel der Frauen
Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung entzündet sich die Schleimhaut der Harnblase durch Bakterien, die über die Harnröhre in die Blase aufsteigen. Durch die Anatomie der Frau mit ihrer wesentlich kürzeren Harnröhre ist das weibliche Geschlecht weit häufiger betroffen als Männer. Typische Symptome sind dann schmerzhafter, häufiger oder unbeherrschbarer Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen und Schmerzen oberhalb des Schambeins. Bei zwei oder mehr Blasenentzündungen pro Halbjahr oder drei oder mehr innerhalb eines Jahres spricht man von wiederkehrender oder rezidivierender Blasenentzündung.

Cranberry präventiv: Sinnvoll!

Das Fazit der Wissenschaftler: Ja, der präventive Einsatz von Cranberry-Präparaten kann bei Frauen mit unkomplizierter wiederkehrender Blasenentzündung durchaus sinnvoll sein. Denn im Vergleich mit einer Placebo-Behandlung ergibt sich auf Basis mehrerer randomisiert kontrollierter Studien ein Hinweis darauf, dass der Infekt dann nicht oder erst später wiederkehrt.

Langzeitbehandlung mit Antibiotika

Verschreibungspflichtig steht für die Behandlung von Rezidiven ja auch die antibiotische Langzeitbehandlung zur Verfügung. Im Vergleich hierzu schneidet die Moosbeere allerdings nicht ganz so gut ab – die Tabletten wirken besser. Allerdings empfiehlt die offizielle Leitlinie eine Langzeitgabe von Antibiotika erst nach dem Versagen vieler anderen Maßnahmen, dazu zählen: Verhaltensänderungen, nicht antibiotische Präventionsmaßnahmen sowie hoher Leidensdruck. Ein Grund, warum viele zunächst zu den „Phytos“ greifen.

Für die Akutbehandlung fehlen Daten

Ob der vorbeugende Einsatz anderer Phytotherapeutika ebenfalls vorteilhaft ist, war wegen der Vielzahl an Mixturen und Gebinden kaum zu beurteilen. Immerhin: Bei einem Präparat aus Bärentraubenblättern und Löwenzahn gibt es Anhaltspunkte dafür, dassdie Rezidivrate sinkt. Für die Akutbehandlung allerdings gibt es im Hinblick auf die frei verkäuflichen pflanzlichen Mittel zu wenige Daten – es lässt sich dazu keine Nutzenaussage ableiten.

Allgemein gilt für Rezidive, dass sie sich mit einem Präparat aus Cranberry, aus Bärentraubenblättern und Löwenzahn sowie einem aus Liebstöckelwurzel, Rosmarinblättern und Tausendgüldenkraut plus Antibiotika besser vermeiden lassen als mit Antibiotika allein. Die Herausgeber des Berichts kommentieren:

„Wenn die Einnahme bestimmter pflanzlicher Präparate so auch zu einem geringeren Einsatz von Antibiotika – sowohl bei der Behandlung einer akuten Blasenentzündung als auch bei der Prävention – und damit zu einer Verringerung von Antibiotikaresistenzen beitragen könnte, wäre dies zu begrüßen.“

Ein Pluspunkt also für die frei verkäuflichen Phytotherapeutika aus der Apotheke!

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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