50 oder 70 Prozent?

© Die PTA in der Apotheke
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Die wasserhaltigen Varianten von Wollwachsalkoholsalbe und hydrophiler Salbe sind klassische Grundlagen des DAB. Wissen Sie noch, wie viel Wasser sie enthalten und wann man sie einsetzt?

Beides sind weiße, weiche Cremes. Da sie sich aber vom Emulsionstyp her unterscheiden, haben sie ganz unterschiedliche Eigenschaften und Anwendungsgebiete.

Wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe Sie wird im Synonymverzeichnis auch unter der Bezeichnung Eucerinum® cum aqua geführt und zu gleichen Teilen aus Wollwachsalkoholsalbe, auch Eucerinum® anhydricum genannt, und Wasser hergestellt. 100 Gramm enthalten 0,25 Gramm Cetylstearylalkohol, 3 Gramm Wollwachsalkohole, 46,75 Gramm weißes Vaselin und 50 Gramm gereinigtes Wasser. Die beiden ersten Bestandteile dienen als Emulgatoren. Es bildet sich eine W/O-Emulsion, die die Creme lipophil oder hydrophob macht.

Da die Wasserphase die innere Phase ist, ist die Creme nicht sehr anfällig für Bakterien und eine Konservierung ist nicht dringend notwendig. Unkonserviert ist sie in der Kruke vier Wochen haltbar, in der Spenderdose sechs Monate. Eingesetzt wird Wollwachsalkoholsalbe zur schonenden Fettung der Haut, beispielsweise bei trockenen Hautzuständen und chronischen Dermatitiden.

Die Creme ist gut dosierbar, aber schlecht abwaschbar und hinterlässt einen Fettglanz auf der Haut. Nachteilig ist ihr mäßiges Emulgiervermögen. Zusätzliche Rezepturbestandteile können als Emulsionsstörer fungieren. So führen Tannin, Polidocanol, Ammoniumbituminosulfat, Steinkohlenteerlösung, Salicylsäure, Aluminiumchlorid und Harnstoff, aber auch Emulgatoren aus eingearbeiteten hydrophilen Cremes zum Austritt von Wasser oder zum kompletten Brechen der Emulsion. Problematisch ist auch das allergische Potenzial der Wollwachsalkohole.

Wasserhaltige hydrophile Salbe Sie ist auch unter dem lateinischen Namen Unguentum emulsificans aquosum bekannt. 100 Gramm enthalten 9 Gramm emulgierenden Cetylstearylalkohol, 10,5 Gramm dickflüssiges Paraffin, 10,5 Gramm weißes Vaselin und 70 Gramm Wasser. Der emulgierende Cetylstearylalkohol fungiert als Emulgator und bildet aus den lipophilen Bestandteilen Paraffin und Vaselin mit dem Wasser eine O/W-Emulsion. Kationenaktive Arzneistoffe führen allerdings zum Brechen der Emulsion. Bezieht man die Creme über den pharmazeutischen Großhandel, so ist sie mit 0,1 Gramm Sorbinsäure vorkonserviert, was durch die für Bakterien leichte Zugänglichkeit der äußeren Wasserphase sinnvoll ist.

Durch basische Wirkstoffe, wie Erythromycin, geht der antimikrobielle Schutz verloren. Ohne Konservierung ist die Creme eine Woche haltbar. Eingesetzt wird die wasserhaltige hydrophile Salbe, meist nach Einarbeitung von Wirkstoffen, wegen ihrer gering fettenden, kühlenden und schonend austrocknenden Wirkung, bei akuten bis subakuten Dermatitiden. Sie zieht gut ein und ist leicht abwaschbar. Man kann sie bis zum etwa Fünffachen mit Wasser verdünnen, wobei eine flüssige Emulsion entsteht.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/15 auf Seite 64.

Sabine Breuer, Apothekerin / Redaktion

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