Acetylsalicylsäure

Die PTA ermittelt. © markus_marb / fotolia.com

Die gleichzeitige Einnahme von Acetylsalicylsäure und Ibuprofen birgt das Risiko für eine pharmakodynamische Interaktion. Wann ist sie relevant, sodass Ihre Kunden einen zeitlichen Abstand einhalten sollten?

Frau Müller, 68 Jahre alt, betritt die Apotheke und verlangt Ibuprofen 400. Die PTA fragt pflichtgemäß, ob sie die Tabletten für sich benötige und gegen welche Beschwerden sie das Schmerzmittel einsetzen wolle. Frau Müller berichtet von ihren akuten Knieschmerzen. Sie habe schon früher Knieprobleme gehabt, seit zwei Tagen sei das rechte Knie aber geschwollen und schmerzhaft. Von ihrer Tochter stamme der Rat, es einmal mit Ibuprofen zu versuchen.

Um eine Empfehlung auszusprechen, erkundigt sich die PTA nach weiteren Medikamenten der Kundin sowie Unverträglichkeiten oder Erkrankungen, die beachtet werden sollten. Neben Ramipril zur Blutdrucksenkung und Simvastatin gegen ihre hohen Blutfette nimmt sie zur Blutverdünnung täglich eine ASS 100 ein. Der Blutdruck sei aber sehr gut kontrolliert und liege meistens bei 125/80 mmHg. In diesem Kontext denkt die PTA direkt an zwei mögliche Interaktionen: die verminderte blutdrucksenkende Wirkung von Ramipril unter Ibuprofen und die verminderte Thrombozytenaggregationshemmung von ASS. Sie überlegt, ob diese Interaktionen relevant sind.

Pharmakologischer Hintergrund Werden ACE-Hemmer und NSAR wie Ibuprofen kombiniert, steigen die Blutdruckwerte durchschnittlich um etwa 6 mmHg. Ebenso kann sich abhängig von der individuellen Situation des Patienten eine Hyperkaliämie entwickeln. Ursache ist wohl die Steigerung des peripheren Gefäßwiderstandes in den Nieren. Die pharmakodynamische Wechselwirkung von ASS und Ibuprofen beruht auf der Konkurrenz beider Wirkstoffe an dem Enzym Cyclooxygenase.

Wird Ibuprofen zuerst eingenommen, wird die Bindungsstelle von ASS abgeschirmt und in der Folge nur ein geringerer Anteil der COX-1 in den Thrombozyten gehemmt – ein anderer Teil kann immer noch aktiv Thromboxan bilden. Diese Wirkung des Ibuprofens hält etwa acht Stunden an. Der blutverdünnende Effekt von Acetylsalicylsäure wird somit reduziert. Bei Risikopatienten, die niedrig dosiertes ASS zur Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Prophylaxe erhalten, wird der Therapieerfolg beeinträchtig. Relevant ist diese Wechselwirkung ebenso wie die Reduktion der Blutdrucksenkung durch Ramipril nur bei länger andauernder Einnahme von Ibuprofen.

Zurück zum Fall Die PTA erklärt Frau Müller, dass ihre Beschwerden eine Untersuchung durch den Arzt erfordern. Die Schwellung und Schmerzen deuteten auf eine Entzündung hin, deren Ursache abgeklärt werden müsse. Ibuprofen könne sie als Schmerzmittel und Antiphlogistikum kurzfristig einige Tage einnehmen. Sie erläutert der Patientin, dass eine längerfristige Einnahme von ASS und Ibuprofen zu Wechselwirkungen führen könne. Sie rät, ASS 100 immer mindestens eine halbe Stunde vor den Ibuprofen Tabletten einzunehmen – und frühestens acht Stunden nach der letzten Ibuprofen Tablette. Außerdem empfiehlt sie, den Blutdruck täglich zu kontrollieren. Zur äußerlichen Behandlung des Knies gibt die PTA ergänzend eine Arnika-Tinktur mit, die in Form kühlender Umschläge Linderung bringen soll.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/15 auf Seite 26.

Dr. Katja Renner, Apothekerin

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