Die Schönste der Euphorbien

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Der Weihnachtsstern ist mit seinen intensiv gefärbten Hochblättern eine dekorative Zimmerpflanze, die bei uns in der Adventszeit äußerst beliebt ist und in kaum einem Haushalt fehlt.

Alexander von Humboldt brachte 1804 den Weihnachtsstern aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) von seiner Amerikareise nach Deutschland mit. Wenig später erhielt er von dem Botaniker Carl Ludwig Willdenow den Namen Euphorbia pulcherrima (von lat. pulcher = schön), da er die Pflanze mit ihren auffällig, intensiv gefärbten Hochblättern für die Schönste innerhalb der Gattung der Euphorbien hielt.

Tropische Schönheit Die Heimat des Wolfsmilchgewächses liegt in den tropischen Laubwäldern Mittel- und Südamerikas, wo sich sein Verbreitungsgebiet natürlicherweise von Mexiko über die Karibischen Inseln, Venezuela und Brasilien bis Argentinien erstreckt. In Mexiko entdeckte sie der damals dort tätige amerikanische Botschafter, Joel Roberts Poinsett, der sie Anfang des 19. Jahrhunderts in die USA mitbrachte, wo sie bis heute zu den populärsten Zimmerpflanzen gehört. Aus dieser Zeit stammt auch noch der heute immer wieder zu hörende Name Poinsettia oder Poinsettie, der vor allem noch im englischen Sprachraum verbreitet ist. Andere Synonyme sind Advents- oder Christstern, die wie die Bezeichnung Weihnachtsstern alle darauf Bezug nehmen, dass sich die Pflanze als typische Weihnachtsblume etabliert hat, die pünktlich zur Adventszeit blüht.

Beliebte Zimmerpflanze Eigentlich ist der Weihnachtsstern gar nicht so klein, wie wir ihn heute auf unseren Fensterbänken kennen. In den Tropen ist die Wildform ein bis zu sechs Meter hoher immergrüner Strauch mit verholztem Stamm und spärlicher Verzweigung. Während der Weihnachtsstern Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst in den USA noch als Schnittblume gezüchtet wurde, wird er seit den 1950er Jahren als Topfpflanze mit kompaktem Wuchs und stärkerer Verzweigung in unterschiedlichen Wuchsformen (z. B. Minipflanzen, Ein- und Mehrtreiber, Ampelpflanzen, Hochstämme) und diversen Farben (z. B. cremeweiß, gelb, rosafarben) kultiviert.

Der Weihnachtsstern als Zimmerpflanze verträgt weder Kälte noch Nässe.

Blatt oder Blüte An den Zweigen sitzen an Blattstielen wechselständig angeordnet große, länglich ovale und leicht gezähnte dunkelgrüne Blätter, deren Unterseite etwas heller ist. Als Kurztagespflanzen bilden sie bei weniger als zwölf Stunden Lichteinfall am Tag farbige Hochblätter (Brakteen) aus, die ursprünglich bei der Wildform karminrot sind. Sie umrahmen sternförmig die eigentlichen Blüten, worauf schon der Name Weihnachtsstern aufmerksam macht. Die Blüten selber sind klein und unscheinbar, haben eine grün-gelbe Farbe und sitzen in der Mitte der Hochblätter. Typischerweise handelt es sich wie bei anderen Wolfsmilcharten auch um Blütenstände (Cyathien), bei denen jede Einzelblüte eingeschlechtlich ist. Ein Cyathium besteht immer aus einer weiblichen Blüte im Zentrum, um die mehrere männliche Blüten in einem Kranz herum angeordnet sind. Am Außenrand stehen einzeln oder zu zweit lippenförmige Nektardrüsen. Während sich in Europa die Blütezeit der Weihnachtssterne etwa von November bis Januar erstreckt, blühen sie an ihrem Heimatstandort unweit des Äquators ganzjährig.

Vorsicht im Umgang Als Wolfsmilchgewächs enthält der Weihnachtsstern wie alle Euphorbiaceae einen weißen Milchsaft. Während dieser bei der Wildform bei innerlicher Aufnahme aufgrund seiner toxischen Diterpene zu starken Vergiftungen mit Schläfrigkeit, Benommenheit und Kreislaufversagen führen kann, werden nach dem Verzehr der Kulturpflanzen lediglich Bauchschmerzen, Erbrechen und/oder Durchfall beobachtet, die nach den Erfahrungen der toxikologischen Informationszentren als nicht gefährlich gelten. Auch wenn ihre Giftigkeit als gering eingeschätzt wird, sollten Kinder dennoch nicht mit ihnen in Kontakt kommen.

Zwar scheinen in den Zuchtformen die giftigen Diterpene nur noch in Spuren vorzukommen, sie sind aber mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, die sekundär Vergiftungen hervorrufen können. Auch Haustiere sollten den Weihnachtsstern meiden, da sie empfindlicher reagieren. Bei kleinen Tieren (z. B. Hamster) wurden Vergiftungen dokumentiert, die sich in starken Schleimhautreizungen, Magen-Darm-Beschwerden mit Krämpfen und blutigem Durchfall, Absinken der Körpertemperatur, Lähmungen, Taumeln, Leberschädigung und Herzrhythmusstörungen gezeigt haben. Auf jeden Fall sollten beim Umtopfen oder Beschneiden der Pflanze Handschuhe getragen werden, da der Milchsaft bei Hautkontakt zu Hautreizungen führt. 

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER APOTHEKE 11/17 ab Seite 64.

Gode Chlond, Apothekerin

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