Der besondere Kick

© rangizzz / fotolia.com

Menschen lassen sich immer etwas Neues einfallen, um sich zu berauschen. Der neueste Trend kommt – natürlich – aus den USA: Alkohol mittels Trockeneis rauchen, um Kalorien zu sparen. In London bietet eine Bar auch Alkohol zum Inhalieren an.

Außerdem hat der Alkohol dann die für den Konsumenten erfreuliche Wirkung, deutlich schneller zu wirken. Und das geht so: Wer Alkohol verdampfen lassen will, hat verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann man ihn erhitzen. Es bestünde also durchaus die Möglichkeit, sich beim Zubereiten einer Tomatensoße einen Rausch „anzukochen“:

Einfach einen ordentlichen Schluck Rotwein in die Soße und dann die Nase über die Pfanne halten. Das funktioniert allerdings nur bedingt; auch verflüchtigt sich der Alkohol recht schnell und in der Soße verbleibt nur ein kümmerlicher Rest. Gießt man ihn allerdings über Trockeneis, gibt es einen interessanten Effekt. Wer den entstehenden Rauch einatmet, wird blitzschnell betrunken.

Abnehmen mit Alkohol Und zwar fast ohne Kalorien zu sich zu nehmen, und das scheint für viele, gerade junge Menschen, sehr wichtig: Berauscht zu sein, ohne davon dick zu werden. „Ich habe dadurch in den letzten Monaten mehr als 70 Pfund abgenommen“, spricht der Amerikaner Broderic Allen zu einem lokalen TV-Sender seiner Heimat. „Ich habe weiterhin meinen Spaß, werde aber nicht mehr dick davon.“ Er scheint vorher eine Menge Kalorien durch Alkohol zu sich genommen zu haben.

Wenn es doch nur so einfach wäre. Alkohol ist und bleibt aber leider ein Genussmittel, das dem Körper Schaden zufügt. Und das große Malheur an der Trockeneis-Variante ist: Keiner weiß mehr, wieviel er eigentlich aufgenommen hat. Und das ist wichtig, denn normalerweise hat der Körper in einem solchen Fall Schutzmechanismen wie Übelkeit oder Erbrechen eingebaut.

Das Gift bleibt Doch da der Alkohol beim Einatmen nicht mehr über die Leber abgebaut werden muss , sondern direkt in die Blutbahn und auch gleich ins Gehirn gelangt, gibt es auch keine Warnfunktion mehr. Geschäftsideen gibt es ja überall, man muss nur genau hinschauen. So erlebte die Amerikanerin Juli Palmer während eines Finnland- Aufenthaltes, dass man innerhalb der Sauna einfach Wodka über die heißen Steine kippte: Es gab sozusagen von null auf hundert einen Vollrausch. Sie erfand daraufhin den „Vaportini“: Alkohol wird in ein geschlossenes Glasgefäß gefüllt, in dem luftdicht ein Strohhalm steckt. Mittels Teelicht erwärmt, können die Alkohol-Dämpfe dann eingeatmet werden. Eine Zeitlang war das der Renner, 30 Dollar kostete der Vaportini pro Stück.

Nicht dosierbar Langzeitstudien über den neuen, gefährlichen Trend gibt es noch nicht. Doch der Alkohol, der so rein und unverfälscht in die Lunge gelangt, vernichtet natürlich Gewebe. „Der Alkohol greift die Schleimhäute an. Wenn er inhaliert wird, kann er den gesamten Atemwegstrakt zerstören“, sagte Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchfragen in Hamburg. Wer zuviel nimmt, riskiert einen Vollrausch; denn das Ganze ist nicht dosierbar.

Auf der Suche nach dem besonderen Kick gerät auch eine andere Methode gerade ins Gerede: Es geht das Gerücht um, dass Jugendliche sich in Wodka getränkte Tampons in Vagina oder andere geeignete Körperöffnungen einführen. Doch da den entsprechenden Zentren wohl kein realer Fall bekannt ist, gehört dieser Trend vielleicht auch in den Bereich des „Slimming“, also den der urbanen Legenden.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 10/15 auf Seite 83.

Alexandra Regner, PTA und Journalistin

Weitere Informationen

Das könnte Sie interessieren

Mit Links durchs Leben? weiter
© mbolina / fotolia.com
Beeindruckende Luftsprünge weiter
Platzhalter PTA © DIE PTA IN DER APOTHEKE
Als Hilfsstoff verträglich? weiter
Cayennepfefferpflanze © Nakano Masahiro/amanaimagesRF / Thinkstock
Scharfer Paprika weiter
Methadon gegen Krebs? weiter
Die Sage vom alten Hufschmied weiter