Eine Illustration von fünf Forscher*innen in weißem Kittel, die an Mikroskopen und Reagenzgläsern arbeiten.© Olga Kurbatova/ iStock / Getty Images Plus
Mehr Wissenschaft zu pharmazeutischen Dienstleistungen: Das fordert die DPhG. Die Forschung soll zum Teil aus den Apotheken selbst kommen. Aber wie?

Forderung

PHARMAZEUTISCHE DIENSTLEISTUNGEN AUFWERTEN

„Pharmazeutische Dienstleistungen“ – so nennen sich Leistungen, die Vor-Ort-Apotheken seit Juni 2022 abrechnen können. Die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) fordert ein Feintuning, das Qualifizierung und Forschung in den Vordergrund stellt. Was meint sie damit?

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Fünf Stück sind es – extra-Beratungen in der Apotheke, die über das übliche Beratungsgespräch hinausgehen. Dazu gehören Blutdruckmessen, Üben von Inhalationstechniken und vor allem Informationen über Wechselwirkungen und Medikamenteneinnahme bei Polymedikation.

Gerade Letzteres habe das Potential, Wirksamkeit und Sicherheit der Arzneimitteltherapie wesentlich zu verbessen, findet die DPhG. Man kann beispielsweise unerwünschte Wirkungen vermeiden und die Compliance verbessern. Zahlreiche Studien belegen diesen Effekt – ein Beleg, dass die neuen Dienstleistungen die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern.

Informationen über Polymedikation erfolgreich

Im dritten Quartal 2022 haben immerhin 2443 Apotheken diese zusätzliche Beratungsleistung erbracht: Von der “Erweiterten Beratung bei Polymedikation“ profitierten 3235 Kundinnen und Kunden. Und Monat für Monat werden es mehr, die Zahlen verdoppeln sich annähernd. Der Anfang ist also gemacht; das Modell erweist sich als erfolgreich.

Unter dem Begriff „Pharmazeutische Dienstleistungen“ werden besondere Beratungsleistungen in der Apotheke extra honoriert. Es handelt sich dabei um die Felder
● Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck
● Erweiterte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung mit Üben der Inhalationstechnik

● Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation
● Pharmazeutische Beratung von Organtransplantierten
● Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie

Es sei wichtig, die pharmazeutischen Dienstleistungen nicht isoliert, sondern als Teil einer Gesamtentwicklung zu betrachten, meint die DPhG: Nämlich die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung einmal wissenschaftlich zu bewerten und zu analysieren sowie die korrekte Anwendung der Arzneimittel zu vermitteln.

Letztendlich gehe es hier um eine Weiterentwicklung des Heilberufs der Apothekerin oder des Apothekers. Wichtig sei, dass die gesamte Pharmazie diesen Weg mitgehe.

Die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) ist eine wissenschaftlich orientierte Fachgesellschaft. Sie setzt sich also dafür ein, dass pharmazeutische Berufsgruppen nach dem aktuellen Stand der Forschung arbeiten. Dafür bietet sie zum Beispiel Fortbildungen an. Ihre 10 000 Mitglieder sind vor allem Apothekerinnen und Apotheker sowie Pharmaziestudierende.

Qualifizierung und Forschung sollen Booster erhalten

Dazu schlägt die DPhG Folgendes vor: Zum einen ist das Qualifizierung, zum anderen Forschung. Neben den notwendigen Fortbildungsveranstaltungen und Schulungen zu den Dienstleistungen sei es unverzichtbar, methodische Grundlagen bereits im Pharmaziestudium zu vermitteln. Der qualifizierte Blick auf eine komplexe Gesamtmedikation und deren fundierte Analyse mit daraus resultierenden Empfehlungen müssten in Zukunft zu den Kernkompetenzen von Apotheker und Apothekerin gehören.

Bei einem Runden Tisch wurde dazu bereits die Stärkung der beiden Fächer Klinische Pharmazie und Pharmakologie als Vorschlag zur Novellierung der Approbationsordnung beschlossen. Die gibt es nämlich unverändert bereits seit 20 Jahren und fünf Generationen von Studierenden.

Das Thema Forschung soll durch wissenschaftliche Evidenz verstärkt werden. Um valide Daten zu erhalten, sei ein Aufbau von Netzwerken forschungsaktiver Apotheken rund um die pharmazeutischen Institute nötig. Vielleicht könne auch die eine oder andere wissenschaftliche Abschlussarbeit im Pharmaziestudium einen Beitrag zu mehr Forschungskompetenz in Apotheken leisten.

Doch wo soll die Zeit dafür herkommen?

Allerdings, so gibt die DPhG zu, fehle in den Apotheken „vielerorts die zeitlichen Ressourcen für eine stärker patientenorientierte Ausübung“: Hier sei vor allem der Gesetzgeber gefordert, indem er die administrativen Hürden im Apothekenalltag (Stichwort Rabattverträge oder Lieferengpässe) konsequent abbaue und dadurch Arbeitskraft freisetze. Es sei dazu notwendig, dass Gesundheitspolitik, Universitäten und Standesvertretung mit den Apotheken an einem Strang ziehen.

Quellen:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/booster-fuer-pharmazeutische-dienstleistungen-138997/
https://www.abda.de/pharmazeutische-dienstleistungen/ 

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