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01. November 2017 – Anzeige

Zurück ins Gleichgewicht

Kettenkarussell
Schwindel schränkt die Aktivitäten im Alltag stark ein und beeinflusst damit die Lebensqualität. Viele Betroffene suchen die Apotheke als erste Anlaufstelle auf – wie können Sie helfen?

Schwindel hat viele Gesichter. Von Drehen über Schwanken bis zu Gangunsicherheit, Taumel, Benommenheit und Angst – eine Vielzahl von Wahrnehmungen und Beschwerden werden unter dem Begriff Schwindel zusammengefasst. „Plötzlich hat sich alles gedreht!“ „Der Boden fing unter meinen Füßen an zu schwanken!“ „Mir wurde plötzlich schwarz vor Augen!“ - Schwindelattacken werden von den Betroffenen daher auch ganz unterschiedlich erlebt und beschrieben.

Und so vielfältig wie die Schwindelgefühle sind auch die Ursachen dafür. Schwindel ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom und ist auf eine Vielzahl von Grunderkrankungen zurückzuführen. Möglich sind auch Schwindelattacken ohne organische Ursache, die psychogen bedingt sind. Im Alter ist Schwindel häufig multikausal.

Das Gleichgewichtssystem Grundsätzlich ist Schwindel ein Hinweis des Gehirns auf eine Störung des Gleichgewichtssystems (vestibuläres System), wozu das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, der Gleichgewichtsnerv (Nervus vestibularis) und die zugehörigen Hirnareale zählen. Das Gleichgewichtsorgan ist Teil des Innenohrs und besteht aus zwei Teilen: dem Vorhof (lat. vestibulum) und den Bogengängen. Der Vorhof hat dem Gleichgewichtsorgan seinen Namen Vestibularapparat gegeben.

Die vom Gleichgewichtsorgan aufgenommenen Informationen werden über den Nervus vestibularis an bestimmte Areale im Gehirn gesendet und dort verarbeitet. Diese Impulse erhalten weitere Informationen, die von den Augen sowie von den Druckrezeptoren der Muskeln, Gelenke und der Haut ausgehen. Widersprechen sich die Signale oder können sie im Gehirn nicht richtig verarbeitet werden, kann es zu Schwindelattacken kommen. Man unterscheidet zentral-vestibuläre und peripher-vestibuläre Anteile des Gleichgewichtssystems.

Zentral-vestibuläre Schwindelursachen liegen dementsprechend zentral im Hirn selbst. Sie bewirken einen zentralen Schwindel, der sich beispielsweise nach neurologischen Erkrankungen wie einem Schlaganfall oder durch im Kleinhirn lokalisierte Bewegungsstörungen manifestiert. Peripher-vestibuläre Schwindelursachen sind hingegen nicht im Gehirn, sondern außen liegend lokalisiert, das heißt, sie betreffen das Gleichgewichtsorgan im Innenohr oder den Gleichgewichtsnerv.

Zu diesen peripher-vestibulären Schwindelformen zählen beispielsweise der gutartige Lagerungsschwindel, der Morbus Menière sowie die Neuritis vestibularis. Nicht-vestibuläre Schwindelursachen liegen schließlich außerhalb des Gleichgewichtssystems. Beispielsweise können Herz-Kreislauf-Probleme oder Medikamentennebenwirkungen, aber auch Erkrankungen der übrigen am Raumgefühl beteiligten Sinnessysteme Schwindel auslösen.

AKUTE EINSEITIGE VESTIBULOPATHIE, „HÖRSTURZ DES GLEICHGEWICHTSORGANS“

 Ein plötzlich einsetzender, heftiger Drehschwindel mit Fallneigung, begleitet von starker Übelkeit und Augenzittern, deutet auf eine Neuritis vestibularis, auch Neuropathia vestibularis genannt, hin. Sie beruht auf einem akuten einseitigen Ausfall des Gleichgewichtsorgans, dessen Ursachen noch nicht völlig geklärt sind. Vermutet wird eine Entzündung im Gleichgewichtsorgan, die durch eine Reaktivierung einer latenten Infektion mit Herpes-simplex-Virus Typ-1 ausgelöst wird. Ebenso werden Durchblutungsstörungen und Autoimmunkrankheiten als Auslöser diskutiert. Die Erkrankung tritt am häufigsten bei Erwachsenen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf, wobei Frauen öfter betroffen sind als Männer.

Vielfältige Ursachen Letztendlich gibt es eine Vielzahl von Schwindelursachen. Eher selten sind es lebensbedrohliche Anlässe, wie ein Hirntumor, eine Hirnblutung oder ein Schlaganfall, die Schwindel bedingen. Vielmehr sind internistische und neurologische Erkrankungen wie beispielsweise Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Migräne, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Entzündungen oder Veränderungen der Strukturen des Gleichgewichtssystems für die diversen Schwindelgefühle verantwortlich.

So vielfältig die Ursachen sind, so zahlreich sind auch die Sinneseindrücke und ihre Darstellung von Schwindelpatienten. Aus der exakten Beschreibung des Schwindelgefühls kann der Arzt auf die Schwindelart und häufig auch auf ihre Ursache schließen. Ein wichtiger Gesichtspunkt dabei ist, ob der Schwindel eine bestimmte Richtung hat. Schwindelarten, denen der Betroffene eine Richtung zuordnen kann, werden in Dreh-, Schwank- und Liftschwindel unterteilt. Ihnen liegt oft eine konkrete Ursache zugrunde.

Drehschwindel Drehschwindel kann beispielsweise auf eine Schädigung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr zurückgeführt werden (peripher- vestibuläre Störung). Er äußert sich so, als würde die Welt um einen herum sich drehen oder wegkippen. Er fühlt sich also so an, als befinde man sich in einem Karussell. Häufig tritt dabei gleichzeitig ein Übelkeitsgefühl auf, das länger als die eigentliche Schwindelattacke andauern kann.

Aufgrund der räumlichen Nähe zum Innenohr kann der Drehschwindel auch von einer Hörminderung begleitet sein. Ein solcher Schwindel tritt beispielsweise beim gutartigen Lagerungsschwindel (Benigner paroxysmaler Schwindel) oder beim Morbus Menière sowie beim akuten Ausfall des Gleichgewichtsorgans aufgrund einer Neuritis vestibularis auf.