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01. April 2017

Wenn die Klappen nicht mehr schließen

Schleuse
Venenerkrankungen sind nicht nur ein kosmetisches Problem, sie können weitreichende gesundheitliche Komplikationen verursachen. Einem schweren Verlauf kann durch frühzeitige medikamentöse und Kompressionstherapie vorgebeugt werden.

Wer viel steht, kennt schwere Beine am Abend. Sie dann hochzulegen, schafft Erleichterung. Für die Venen bedeutet ständiges Stehen oder Sitzen Schwerstarbeit. In unserer bewegungsarmen Gesellschaft nimmt deshalb die Zahl derer, die unter Venenschwäche leiden, mehr und mehr zu. Mit etwa 13 Millionen Betroffenen zählen die chronischen Venenerkrankungen zu den Volkskrankheiten in Deutschland. Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann zwischen 18 und 79 Jahren leidet an sichtbaren Krampfadern. Bei 0,1 Prozent der deutschen Bevölkerung liegt ein Unterschenkelgeschwür vor.

Schleichender Verlauf Eine Veneninsuffizienz äußert sich als Funktionsstörung im Venensystem der Beine. Sie entwickelt sich allmählich und kündigt sich zunächst sehr harmlos an. Die Beine schwellen nach langem Stehen leicht an, kleine Venen treten aus der Haut hervor, sogenannte Besenreiser bilden sich. Diese ersten Symptome sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn die chronische Veneninsuffizienz begünstigt Thrombosen und Lungenembolien. Wird therapeutisch nicht gegengesteuert, kommt es zu einem krankheitsbedingten Bindegewebsumbau, der nicht selten in einem Ulcus cruris venosum, dem so genannten „offenen Bein“ endet.

TYPISCHE SYMPTOME EINER VENENSCHWÄCHE
+ Beinschwellung (Ödembildung)
+ Hautjucken, Hautspannung
+ Beinschmerzen
+ Wadenkrämpfe
+ Missempfindungen, Kribbeln
+ Besenreiser

Die Beschwerden sind in der Regel abends schlimmer und bessern sich durch Hochlagern und Liegen.

Physiologisch ausgeklügelt Arterielle und venöse Gefäße sorgen für die Versorgung der Organe mit Nährstoffen und Sauerstoff. Dabei umfasst das venöse System alle Blutgefäße im menschlichen Körper, die das sauerstoffarme, verbrauchte Blut zur rechten Herzkammer zurücktransportieren, das sind pro Tag immerhin 7000 Liter Blut. Bis zu 85 Prozent des gesamten Blutes befindet sich in den Venen. Neben der Funktion der „Entsorgung“ verbrauchten Blutes ist das venöse System auch an der Wärmeregulation beteiligt. Das venöse System wird in ein oberflächliches (epifasziales) und tiefes Venensystem unterschieden.

Die Venen des oberflächlichen Teils befinden sich netzartig direkt unter der Haut und werden nach unten durch eine Muskelschicht abgegrenzt. Der Übergang vom oberflächlichen hin in das tiefe Venensystem erfolgt durch das perforierende venöse System. Ähnlich wie ein großer Fluss, in dem sich kleine Rinnsale und Bäche vereinigen, kann das Venensystem erklärt werden. Zunächst gelangt das sauerstoffarme Blut über Kapillaren aus der Peripherie in die Venolen – kleinen Venen. Diese vereinigen sich zu größeren oberflächlichen Venen, die außerhalb der Muskulatur liegen und münden schließlich in die zwei großen Stammvenen, die Vena saphena magna (große Rosenader) und die Vena saphena parva (kleine Rosenader). Von hier aus gelangt das Blut zurück zum Herzen und wird dort wieder mit Sauerstoff angereichert, bevor es erneut zurück über das arterielle System zu den Geweben und Organen fließt.

Gegen die Schwerkraft Dieses fein abgestimmte System stammt ursprünglich noch aus der Zeit, als der Mensch sich nicht wie heute in aufrechter Haltung vorwärts bewegte, wenig saß und sich sehr viel bewegte. Die Meisterleistung der Venen ist heute, das Blut gegen die Schwerkraft aus den Beinen immer wieder hoch bis zum Herzen zu pumpen. Um das zu schaffen, sind die Venen mit Venenklappen – vergleichbar mit Rückschlagventilen – ausgestattet. Sie verhindern den Rückfluss des bereits nach oben transportierten Blutes. Sie öffnen sich, wenn ein bestimmter Druck von unten erreicht wird, bei Druck von oben schließen sie sich sofort.

Jedes Bein hat zwischen acht und achtzehn Venenklappen, die dafür sorgen, dass der Blutstrom eine „Einbahnstraße“ zum Herzen ist. Gibt es Defekte und Funktionsstörungen im Bereich einer Venenklappe, staut sich das Blut in den vorgelagerten Gefäßabschnitten. Diese Stauungen üben auf Dauer einen vermehrten Druck auf die Gefäßwände aus, die Venen weiten sich. Zunächst werden sie an der Hautoberfläche sichtbar, wenn sie bläulich geschlängelt hervortreten – als Besenreiser oder umgangssprachlich Krampfader. Je weniger funktionierende Klappen, desto höher ist das Risiko für die Entstehung einer Veneninsuffizienz.

Neben den Klappen ist noch ein weiterer Faktor für die Funktion des Venensystems wichtig, nämlich die Wadenmuskelpumpe, die der Antrieb für den Bluttransport aus den Beinen heraus ist. Wird die Wadenmuskulatur, in die die tiefen Beinvenen eingebettet sind, kontrahiert, wird das Blut zurück in Richtung Herz gepumpt. In der Entspannungsphase des Muskels lässt der Druck auf die tiefen Venen nach und es entsteht ein Sog, der Blut aus den oberflächlichen Venen in die Tiefe saugt. Damit dieser Mechanismus reibungslos abläuft, ist Gehen und Laufen so wichtig. Das Tragen von High Heels ist kontraproduktiv. Dabei wird die Unterschenkelmuskulatur extrem verkürzt und die Pumpe praktisch stillgelegt. Zur Prophylaxe von Venenerkrankungen sollte deshalb auch auf das richtige, nämlich flache Schuhwerk geachtet werden.