• Trockene Haut und Neurodermitis
  • PTA-Fortbildung
01. Februar 2017

Veranlagung und Lebensstil

Wüste
Die Anlage zu trockener Haut liegt schon in den Genen. Die Tendenz kann aber durch falsche Gewohnheiten noch verstärkt werden. Bei der Erkrankung Neurodermitis ist Hauttrockenheit eines der Leitsymptome.

Wenn die Haut spannt und juckt oder gar rau und rissig wird, dann ist sie eindeutig zu trocken. Und das kommt gar nicht so selten vor. Es ist einer der häufigsten Gründe für einen Besuch beim Hautarzt. Die Trockenheit kann am ganzen Körper auftreten, äußert sich jedoch besonders an den Händen, Füßen, Knien, Schienbeinen, Ellenbogen und im Gesicht. Um zu verstehen, wieso die Haut zu trocken sein kann, welche inneren und äußeren Einflüsse ihr schaden und wie man der Trockenheit entgegen wirken kann, muss man zunächst den Aufbau der Haut und die Aufgaben der einzelnen Schichten kennen.

SCHWEISS, TALG UND HORNZELLMASSE
Aus den Sekreten, die die Haut produziert und den abgestorbenen Hautschüppchen entsteht eine Emulsion, die im Idealfall die gesamte Haut überzieht, geschmeidig hält und vor chemischen und mikrobiellen Einflüssen schützt. Diese Emulsion wird als Hydrolipidfilm oder Säureschutzmantel bezeichnet. Hauptbestandteil ist Talg, mit einem Anteil von über 90 Prozent. Der physiologische pH-Wert der Haut liegt zwischen 5,4 und 5,9, gemessen am Unterarm. Ein Puffersystem, an dem im Wesentlichen Milchsäure und ihre Salze beteiligt sind, hält den pH-Wert bis zu einem gewissen Grad stabil.

 

 

Zellen, Fasern und Fett Die menschliche Haut besteht von außen nach innen gesehen aus drei völlig unterschiedlich aufgebauten Schichten. Dies sind die Epidermis oder Oberhaut, die aus Zellen aufgebaut ist, darunter die Dermis, auch Korium oder Lederhaut genannt, welche überwiegend aus Kollagen- und Elastinfasern besteht und die Subcutis oder Unterhaut. Da die Subcutis zum großen Teil aus Fettzellen aufgebaut ist, nennt man sie auch Unterhautfettgewebe.

Die Zellen der Epidermis werden im Inneren an der Grenze zur Lederhaut von den Basalzellen gebildet und wachsen durch neu entstehende Zellen innerhalb von 28 Tagen kontinuierlich nach außen. Dabei verändern sie sich nach und nach. In der Basalzellenschicht sind es noch wasserreiche und stoffwechselaktive Zellen, die Keratin bilden und langsam verhornen. Sie werden dann, je weiter sie nach außen gelangen, immer trockener und flacher, stellen die Keratinproduktion irgendwann ein und sterben ab. In der obersten Schicht, der Hornschicht, sind es nur noch flache Hautschüppchen, die auch unter dem Mikroskop gar nicht mehr als Zellen zu erkennen sind. An der Hautoberfläche angekommen, werden sie abgestoßen. Das sieht man allerdings mit bloßem Auge nicht, dafür sind die Zellen zu klein. Erst wenn sich richtige Zellaggregate ablösen, die aus mehreren hundert Zellen bestehen, werden sie als Schuppen sichtbar.

Die Epidermis hat eine Dicke von 0,5 bis 5 Millimeter, wobei sie an mechanisch besonders beanspruchten Stellen am stärksten ausgebildet ist. Die tote Hornschicht kann bei Bedarf zu einer Schwiele verdickt werden. Mechanisch gar nicht beanspruchte Stellen, wie zum Beispiel die Augenlider, haben eine extrem dünne Epidermis. Die Grenzzone von lebenden Epidermisschichten zu absterbenden Hornzellen nennt man Reinsche Barriere. Es handelt sich nicht um eine starre Grenze, sondern um einen dynamischen Bereich. Während vom Hautinneren her immer wieder neue Hautschichten in die Barrierezone eintreten, gelangen verhornte, abgestorbene Zellen hinaus in Richtung Körperoberfläche. Innerhalb der Barriere sind die Zellen am dichtesten gepackt, wobei Hornschichtlipide die Zellzwischenräume lückenlos auskleiden.

Mit pH 4,5 bis 5,5 liegt hier der niedrigste pH-Wert aller Hautschichten vor. Durch die genannten Eigenschaften ist die Barriere in der Lage, die Penetration und Resorption von Stoffen durch die Haut zu begrenzen. Aber auch das Wasserbindevermögen und die Wasserdurchlässigkeit der Haut von innen nach außen werden zu einem nicht geringen Teil von der Barriere bestimmt. Wird der pH-Wert auf Werte > 6,0 oder < 4,5 verändert, so lösen sich die geordneten Strukturen der Hornschichtlipide auf und die Barrierefunktion wird gestört. Die Lederhaut besteht überwiegend aus festem Bindegewebe. Hauptbestandteil dieses Bindegewebes sind zu etwa 70 Prozent Kollagenfasern, das sind dicke, wellig verflochtene Faserbündel, die sich durch hohe Reißfestigkeit auszeichnen.

Das Kollagenmolekül ist ein Skleroprotein, also ein faserförmiges Protein, und besteht aus drei Polypeptidketten, die schraubenförmig miteinander verdreht sind. Zwischen den Kollagenfasern befinden sich elastische Fasern, die nach einer Dehnung schnell wieder ihre ursprüngliche Form einnehmen und der Haut ihre Elastizität geben. Durch Überdehnung reißen sie allerdings, eine Nachbildung ist nicht möglich. Diese elastischen Fasern bestehen zum größten Teil aus dem Skleroprotein Elastin. Zwischen den Proteinfasern befinden sich zahlreiche Blutgefäße, Lymphgefäße und Nerven. Eine der Hauptaufgaben der Lederhaut ist die Versorgung der gefäßlosen Epidermis mit Nährstoffen. Auch Haare, Nägel und Drüsen haben ihren Ursprung in der Lederhaut.

Die Unterhaut ist ein lockeres, mit Fettgewebe und Fasern durchzogenes Bindegewebe. Das individuell unterschiedlich ausgeprägte Fettgewebe ist in Form von traubenförmig zusammengeschlossenen Fettzellen eingelagert. Es dient vor allem dem Kälteschutz und stellt einen Energiespeicher (Depotfett) dar. Darüber hinaus werden auch darunterliegende Organe vor Stößen geschützt. Die Ausprägung des Unterhautfettgewebes an den verschiedenen Körperstellen hängt nicht nur von Ernährung und Energiebedarf ab, sondern wird auch hormonell gesteuert. So sind die typischen geschlechtsspezifischen Körperformen zu erklären.

Wasser und Salze Die Haut schützt zwar vor dem Eindringen von Stoffen und vor dem Verlust von Wasser, ganz dicht ist sie allerdings nicht. Begrenzt durch die Reinsche Barriere geschieht durch die Verdunstung von Wasser durch die Haut ständig ein unmerkbares Schwitzen. Dabei werden etwa 0,5 Liter Schweiß pro Tag abgegeben. Dieser Schweiß tritt nicht durch die Schweißdrüsen, sondern durch feinste Poren in der Hornschicht nach außen. Man bezeichnet die Diffusionsrate durch die Hornschicht als transepidermalen Wasserverlust (transepidermal water loss, TEWL). Er spielt bei trockener Haut und auch bei Neurodermitis eine große Rolle. Zusätzlich befinden sich in der Haut zwei Arten von Schweißdrüsen, die ganz unterschiedliche Aufgaben haben.

Über den ganzen Körper verteilt findet man die kleinen oder ekkrinen Schweißdrüsen. Man hat davon insgesamt etwa zwei Millionen, die allerdings ungleichmäßig über den Körper verteilt sind. Die meisten findet man auf der Stirn, in den Achselhöhlen und an den Handflächen und Fußsohlen. An Armen und Beinen sind nur wenige zu finden, während beispielsweise die Lippen gar keine Schweißdrüsen besitzen. Das in den Schweißdrüsen gebildete Sekret, der Schweiß, wird nur bei Bedarf nach außen abgesondert. Durch die beim Verdunsten des Schweißes entstehende Verdunstungskälte wird dem Körper Wärme entzogen, er kühlt ab. Bei schweren körperlichen Arbeiten und hohen Temperaturen tritt also zusätzlich zum TEWL Schweiß aus den Schweißdrüsen aus. Zum merkbaren Schwitzen kann es auch aus emotionalen Gründen kommen. Dieser frisch produzierte Schweiß ist normalerweise farb- und geruchlos.

Erst durch bakterielle Zersetzung kommt es zu unangenehmen Geruchsveränderungen. Schweiß besteht zum größten Teil aus Wasser, darin gelöst findet man organische und anorganische Verbindungen. Der pH-Wert liegt bei fünf bis sechs. Daneben gibt es die großen oder apokrinen Schweißdrüsen, die auch als Duftdrüsen bezeichnet werden. Man findet sie in hoher Dichte im Anogenitalbereich, an den Brustwarzen und in den Achselhöhlen. Die Zusammensetzung des apokrinen Schweißes ist der des ekkrinen Schweißes ähnlich, jedoch ist auch ein hoher Anteil an organischen Substanzen, vor allem an fettartigen Bestandteilen und Zellfragmenten, enthalten. In frischem Zustand ist auch der apokrine Schweiß fast geruchlos, bestimmt aber den typischen Eigengeruch jedes Menschen.

Durch den hohen Gehalt an organischen Verbindungen entstehen nach bakterieller Zersetzung kurzkettige Fettsäuren, wie Buttersäure, und der Schweiß „riecht“. Erst mit einsetzender Pubertät werden die apokrinen Schweißdrüsen aktiv, weshalb bei Kindern der typische unangenehme Schweißgeruch fehlt. Mit Ende der Keimdrüsentätigkeit nimmt die Drüsensekretion wieder ab. Bereits die ausschließliche Lokalisation der apokrinen Schweißdrüsen an den Stellen der Geschlechtsmerkmale macht deutlich, dass sie nicht unbedingt zur Wärmeregulation beitragen. Ihre eigentliche Funktion ist die Bildung von Pheromonen, die als Sexuallockstoffe dienen. Welche Rolle die Pheromone heute beim Menschen spielen, ist fraglich, da sie von Kleidung, Deos und Parfüm überdeckt werden.

TALG
Bei Hauttemperatur ist der Talg ein flüssiges Fett, das in den Follikelöffnungen steht. Die Verteilung des Talgs erfolgt nicht aktiv, sondern ausschließlich passiv, das heißt mechanisch durch Verwischen. Auch die Haare werden nicht von der Talgdrüse ihres eigenen Haarfollikels benetzt. Sie erhalten ihre Fettung durch Berührung mit benachbarten Follikelöffnungen.

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