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01. Juni 2017

Starke Knochen behalten

Knochengerüst
Der Volksmund spricht vom Knochenschwund. Gemeint ist damit die Osteoporose, eine ernstzunehmende Erkrankung, die mit einen erhöhten Risiko für Knochenfrakturen einhergeht.

Mit circa acht Millionen Patienten in Deutschland zählt die Osteoporose zu den Volkskrankheiten. 80 Prozent der Betroffenen sind Frauen, weshalb die Osteoporose oft als Frauenkrankheit angesehen wird. Es darf dabei aber nicht vergessen werden, dass auch Männer erkranken können.

Definition Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht unter Osteoporose (griech. Osteon = Knochen, poros = Durchgang, Zugang) eine systemische Skeletterkrankung, bei der die Knochenmasse verringert, die Mikroarchitektur des Knochens verschlechtert und die Festigkeit des Knochengewebes reduziert ist. Insbesondere schwinden die für die Elastizität und Tragfähigkeit verantwortlichen Querverbindungen in der Knochenmatrix. Man unterscheidet zwischen einer primären (ideopathischen) und einer sekundären Osteoporose.

Bei der primären Form sind vor allem ein Estrogenmangel in und nach den Wechseljahren, Alterungsprozesse, Bewegungsmangel und eine zu geringe Zufuhr an Vitamin D und Kalzium ursächlich verantwortlich. Sie besteht in mehr als 90 Prozent der Fälle. Sekundäre Osteoporosen treten als Folge anderer Grunderkrankungen auf. Dazu zählen beispielsweise chronisch entzündliche Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis), Maladsorptionssyndrome (z. B. Morbus Crohn, Zöliakie), Hormonstörungen (z. B. Hyperthyreose, Hyperkortisolismus) und Krebserkrankungen (z. B. Plasmozytom, Metastasen anderer Tumoren). Ursache kann auch eine medikamentöse Therapie (z. B. mit Zytostatika oder Glukokortikoiden) sein.

Schleichende Gefahr Die Osteoporose beginnt schrittweise. Beschwerden wie Rückenschmerzen werden selten gleich der Erkrankung zugeordnet. Oftmals wird die Osteoporose erst bemerkt, wenn eine verminderte Körpergröße, Verformungen des Knochengerüstes („Witwenbuckel“) oder Frakturen auftreten. Anfangs sind typischerweise Handgelenk und Wirbelkörper betroffen, später büßen Oberschenkelhals- und Beckenknochen an Masse ein und brechen. Neuesten Untersuchungen zufolge gibt es in Deutschland pro Jahr 212 845 gemeldete Frakturen, die auf eine Osteoporose zurückzuführen sind. Circa 160 000 gefährliche Oberschenkelhalsbrüche werden derzeit in Deutschland jährlich verzeichnet, mit steigender Tendenz, da die Lebenserwartung ständig zunimmt. Die Folgen eines Bruches sind nicht nur schmerzhaft. Sie sind vor allem mit dem Risiko für einen Folgebruch und mit einer eingeschränkten Mobilität verbunden. Viele Betroffene können sich nicht mehr selber versorgen und werden pflegebedürftig. Jeder fünfte Patient mit einem Schenkelhalsbruch verstirbt sogar an den Folgen.

STÜRZE VERMEIDEN
Stürze können für Osteoporose-Patienten lebensgefährlich werden. Daher sollten Betroffene möglichst alle Stolperfallen aus dem Weg schaffen. Dabei ist aber nicht nur an die typischen Dinge im Haushalt zu denken (z. B. Teppichkanten, schlechte Beleuchtung, schlecht sitzende Schuhe, Gegenstände oder Kabel auf dem Fußboden, fehlende Treppengeländer oder Haltegriffe im Bad). Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann Stürze provozieren. Beispiele sind Sedativa (z. B. Benzodiazepine), Neuroleptika, Blutdrucksenker oder Anticholinergika. Hangover-Effekte, nächtlicher Harndrang, Schwindel oder Sehstörungen sind Nebenwirkungen, die Osteoporose-Patienten vermehrt stürzen lassen und somit das Frakturrisiko erhöhen.

Knochendichtemessung Eine Osteoporose kann in speziellen Facharztpraxen mit der DXA-Methode (Dual Energy X-ray Absorptiometry) festgestellt werden. Sie gilt nach den deutschen und internationalen Leitlinien als diagnostische Methode der Wahl. Dabei werden Röntgenstrahlen standardmäßig durch zwei besonders frakturgefährdete Skelettregionen (Lendenwirbelsäule und Hüfte) geschickt. Der ermittelte TWert (T-Score-DXA) gibt die Knochendichte des Patienten im Vergleich zu einem gesunden Erwachsenen an. Ein TWert von bis zu – 1 gilt als normal. Liegt er unter einem Wert von – 2,5, besteht eine behandlungsbedürftige Osteoporose.

Ultraschallmessungen (Quantitatives Ultraschallverfahren, QUS) an Ferse oder Finger, wie sie beispielsweise auch in Apotheken angeboten werden, erreichen nicht dieselbe Genauigkeit und ihre Ergebnisse sind nicht im gewünschten Maß reproduzierbar. Sie haben daher eine niedrigere Aussagekraft und sind nur eingeschränkt empfehlenswert.

Lebendiger Knochen Der Knochen ist kein statisches Gerüst, sondern unterliegt als lebendige Verbindung von Zellen einem lebenslangen Stoffwechsel. Dabei bilden die knochenbildenden Osteoblasten („b“ wie „bauen“) ständig neues Knochengewebe und bauen den Knochen auf. Knochenabbauende Osteoklasten („k“ wie „klauen“) reduzieren die Knochensubstanz hingegegen kontinuierlich und sorgen somit für den Kochenabbau. Durch das ständige Auf und Ab wird ein Knochenumsatz von sechs bis acht Prozent pro Jahr erzielt. Er sorgt dafür, dass rein rechnerisch die gesamte Knochenmasse innerhalb von sieben bis zehn Jahren komplett ab- und wieder aufgebaut wird. Verschiedene Hormone sind an der Regulation der komplexen Auf- und Abbauprozesse beteiligt.

Das Parathormon aus der Nebenschilddrüse stimuliert die Aktivität der Osteoklasten und löst somit vermehrt Kalzium aus dem Knochen heraus. Der Gegenspieler, das Schilddrüsenhormon Kalzitonin, verhindert wiederum die Kalzium- und Phosphatfreisetzung aus dem Knochen und fördert gleichzeitig deren Einbau, teilweise durch Herabsetzung der Osteoklastentätigkeit. Gesteuert werden die Hormonausschüttungen über den Kalziumspiegel im Blut. Auch Vitamin D beziehungsweise seine aktive Form Calcitriol ist als Hormon für den Knochenaufbau verantwortlich. Zum einen fördert es die Kalziumaufnahme aus dem Darm und zum anderen ermöglicht es den Einbau des Minerals in die Knochen.

Ein Mangel an dem fettlöslichen Vitamin führt hingegen zu einem Absinken des Kalziumspiegels im Blut und damit über das Parathormon zu einer größeren Aktivität der Osteoklasten. Schließlich spielen noch die Sexualhormone im Knochenstoffwechsel eine Rolle, indem sie die für den Knochenstoffwechsel notwendigen Hormone beeinflussen und zudem selbst knochenaufbauende und -erhaltende Effekte haben. Während Estrogen eine unmittelbare Wirkung über eine Stimulation der Osteoblasten und eine Hemmung der Osteoklasten hat, ist Testosteron nur indirekt über seinen Abkömmling Estradiol involviert.