• Stress und Nervosität
  • PTA-Fortbildung
01. Oktober 2017

Reine Nervensache

Mann mit Händen über dem Kopf
Psychische Überlastung bleibt auf Dauer nicht ohne Folgen. Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden und Gereiztheit sind nur Beispiele verschiedener Symptome, die auf das Konto von andauernden Belastungen gehen.

Stress ist ein Modebegriff und in unserer Gesellschaft hoch angesehen – wer Stress hat, gilt als wichtig. Allerdings erscheint Stress immer dann, wenn etwas nicht im gewohnten Rhythmus abläuft oder ein Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Kompetenzen besteht. Die permanente Anspannung gilt als Ursache für Störungen des physischen und psychischen Wohlbefindens. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gehört permanenter Stress zu den größten Gefahren für die Gesundheit im 21. Jahrhundert. Häufig ist der Beruf für zu viel Stress verantwortlich, doch auch die Scheidungsquoten deuten darauf hin, dass das Privatleben Stresspotenzial bietet.

Zudem können schwere Erkrankungen oder Schicksalsschläge wie der Tod von nahestehenden Menschen zu erheblicher Unruhe im Leben führen. Unter Stress (englisch: Anspannung, Druck; lateinisch: stringere: anspannen) versteht man im wissenschaftlichen Sinn eine durch äußere Reize hervorgerufene physische und psychische Reaktion. Sie dient der Bewältigung der Anforderungen, die an einen Organismus gestellt werden und ist überlebenswichtig. Der Körper wird durch die Stressreaktion in eine erhöhte Reaktionsbereitschaft versetzt. Andererseits wird die Bezeichnung Stress auch für körperliche und seelische Belastungen allgemein verwendet.

AB UND ZU MAL DIE STOPP-TASTE DRÜCKEN
Gestresste sollten sich tagsüber auch einmal ein paar Minuten Ruhe gönnen – dies kann durch einen Spaziergang an der frischen Luft oder durch Power- Napping (bis zu 20 Minuten schlafen) geschehen. Auch ein gutes Zeitmanagement kann Wunder gegen Stress und Unruhe wirken: Belastete Personen erledigen die wichtigsten Dinge am besten immer zuerst, sodass in dieser Zeit ausreichend Konzentration vorhanden ist, weniger Wichtiges kann bis zum Abend oder bis zum nächsten Tag warten. Es ist somit hilfreich, „Nein“ zu sagen, wenn die Anforderungen zu hoch werden. Auch wenn es oft schwer fällt: Wer belanglose Aufgaben ablehnt, hat viel gegen Nervosität und Stress getan.

Gestörte Balance Die Fähigkeit des Körpers, auch bei äußeren und inneren Belastungen die Stabilität seiner biologische Systeme zu erhalten, bezeichnet man als Homöostase. Durch physiologische Regelsysteme und permanente Anpassungsprozesse werden die Sollwerte, wie zum Beispiel der Blutdruck, konstant gehalten, was mithilfe von endokrinen, also hormonellen oder mithilfe von vegetativen Steuerungsvorgängen geschieht. Durch plötzliche Störungen in der Umwelt treten unter Umständen große Ist-Soll-Diskrepanzen auf und rufen eine Stressreaktion hervor. Aus biologischer Sicht gerät der Organismus aus dem Gleichgewicht und muss innerhalb kürzester Zeit auf drohende Gefahren reagieren. Rezeptoren erfassen die Abweichungen der Ist-Werte, daraufhin kann der Körper die Regelgrößen korrigieren. Die Anpassung an die veränderten Umgebungsbedingungen nennt man Adaption.

Zahlreiche Stressoren Seelische oder körperliche Belastungen, welche die Homöostase gefährden, nennt man Stressoren. Hierzu zählen physikalische, wie Lärm, Zigarettenrauch oder Hitze, chemische, zum Beispiel Vergiftungen, und körperliche Einflüsse, wie Schmerzen oder Verletzung. Häufige Ursachen einer Stressreaktion sind auch soziale Faktoren wie Konkurrenz, Trennungen, Scheidungen oder der Tod des Partners. Auch Überfälle, Arbeitsplatzverluste, Prüfungen, Über- oder Unterforderung, Reizüberflutung sowie ein permanenter Informationsüberschuss wirken sich belastend aus und sind daher den potenziellen Stressoren zuzuordnen. Jeder reagiert allerdings anders darauf. Der Einfluss der Stressoren ist in erster Linie vom Grad der Kontrolle und der Vorhersehbarkeit abhängig.

Flight oder Fight? Das Prinzip stammt noch von unseren Vorfahren. Sie mussten bei der Bedrohung durch Raubtiere oder anderer Gefahren, also in einer akuten Stressreaktion, zwischen Kampf oder Flucht entscheiden. In beiden Fällen muss der Organismus kurzfristig Maßnahmen zur Leistungssteigerung ergreifen. Der Hypothalamus hat bezüglich der körperlichen Stressreaktionen die Steuerungsfunktion, denn er wirkt sowohl auf das vegetative Nervensystem, welches aus Sympathikus und Parasympathikus besteht, als auch vermittelnd auf die Hypophyse.

Der Sympathikus reguliert aktivierende Vorgänge wie zum Beispiel Kampf- oder Fluchtreaktionen, bei denen die Bronchien erweitert und das Herz-Kreislauf- System aktiviert werden, während reproduktive und regenerative Prozesse, wie Verdauung, Sexualität, Fortpflanzung und Energiespeicherung, herabgesetzt werden. Innerhalb dieser Stressreaktion sind die vom Nebennierenmark hergestellten Transmitter Adrenalin und Noradrenalin von Bedeutung, die an vielen inneren Organen funktionssteigernd wirken.

 

Überblick über die physischen Reaktionen:
• Glukoneogenese und Lipolyse sorgen für eine erhöhte Energiebereitstellung.
• Erweiterung der Bronchien und eine daraus resultierende, verbesserte
   Sauerstoffversorgung.
• Gesteigerte Herzschlagfrequenz und erhöhte Kontraktion des Herzmuskels
   führen zu einer ausreichenden Durchblutung und somit zur Energieversorgung
   von Herz, Gehirn und Muskulatur.
• Immunreaktionen werden in dieser Situation unterdrückt (Immunsuppression).
• Der Organismus ist auf sexuelle Reize in der Regel vermindert ansprechbar.
• Durch eine erhöhte Anspannung der Muskeln wird der Körper auf die anstehende
   Muskelarbeit vorbereitet.