Medikamente © mukhina1 / iStock / Getty Images Plus
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Haus- und Reiseapotheke
E-Learning-Fortbildung

Planung ist alles

Überraschend Durchfall, Kopfschmerzen in der Nacht, Erkältung am Wochenende oder ein Schnitt in den Finger – ob zu Hause oder auf Reisen für solch alltägliche „Notfälle“ findet sich in einer gut bestückten Haus- oder Reiseapotheke immer das Richtige.

16 Minuten

Veröffentlichung der Teilnahmebescheinigung:
07. Dezember 2020
Überraschend Durchfall, Kopfschmerzen in der Nacht, Erkältung am Wochenende oder ein Schnitt in den Finger – ob zu Hause oder auf Reisen für solch alltägliche „Notfälle“ findet sich in einer gut bestückten Haus- oder Reiseapotheke immer das Richtige.

Lernziele

Lernen Sie in dieser von der Bundesapothekerkammer akkreditierten Fortbildung
• was unbedingt in eine Hausapotheke gehört,
• wie sich Reiseapotheken unterscheiden können,
• was bei einer Btm-Mitnahme beachtet werden muss,
• wie Medikamente auf Reisen transportiert und gelagert werden sollen,
• wie Zeitverschiebungen Einnahmezeiten tangieren,
• FAQ zu Flug- und Fernreisen.

Die Klassiker, die in jede Hausapotheke gehören, sind Analgetika und Fiebersenker mit den Wirkstoffen Paracetamol (PCM) oder Ibuprofen. Für eine altersgerechte Dosierung steht PCM in verschiedenen Darreichungsformen als Tablette, Saft oder als Zäpfchen zur Verfügung. Die Ibuprofen-Palette wird zusätzlich mit Schmelztabletten ergänzt, die bei Kindern ab 20 Kilogramm Körpergewicht und sechs Jahren angewendet werden können.

Eine gute Hausapotheke enthält auch Medikamente gegen typische Erkältungssymptome wie Halsschmerzen, Husten und Schnupfen, denn Erkältungen treten oft sehr plötzlich auf und dann ist es gut, bei den ersten Anzeichen handeln zu können. Zur Linderung von Halsschmerzen können Lutschtabletten mit Natriumhyaluronat (Natriumsalz der Hyaluronsäure) angewendet werden, die eine Befeuchtung der Schleimhäute des Mund-Rachen-Raumes erreichen. Wer es lieber pflanzlich mag, kann Lutschpastillen mit Isländisch Moos in der Hausapotheke vorrätig halten.

Ein trockener Reizhusten kann mit pflanzlichen Zubereitungen aus einem Extrakt der Eibischwurzel oder Spitzwegerichblättern gut gelindert werden. Zur Verfügung stehen aber auch chemische Hustenstiller mit den Wirkstoffen Dextromethorphan oder Pentoxyverin. Für die Unterstützung der Schleimlösung bei produktivem Husten und die Entzündungshemmung in den Bronchien gibt es Zubereitungen aus verschiedenen ätherischen Ölen (z. B. ELOM aus Eukalyptus, Myrte, Süßorange, Zitrone) sowie Efeu-, Thymian- oder Primelwurzel-Zubereitungen. Chemische Hustenlöser wie Ambroxol oder Acetylcystein helfen ebenfalls den zähen Schleim loszuwerden.

Topisch kann eine verstopfte Schnupfennase mit abschwellende Nasentropfen oder -Spray mit Xylometazolin oder Oxymetazolin sowie Kochsalz- oder Meersalzlösung behandelt werden. Systemisch eignet sich bei Schnupfen oder Sinusitis zum Lösen des zähen Schleims die Kombinationen aus Schlüsselblume, Enzian, Ampfer, Holunder und Eisenkraut oder auch die bereits genannte Kombination aus Eukalyptus-, Myrten-, Süßorangen- und Zitronenöl.

Ebenso gehören Präparate gegen Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall dazu. Bei akutem Sodbrennen neutralisieren Antazida schnell und effektiv die überschießende Menge an Magensäure. Hier werden die Schichtgitter-Antazida mit den Wirkstoffen Magaldrat oder Hydrotalcid von den Antazida unterschieden, die aus verschiedenen basischen Salzen (Aluminiumhydroxid, Magnesiumhydroxid, Natriumalginat, Natriumhydrogencarbonat, Calciumcarbonat) zusammengesetzt sind. Sie sind alle als Kautablette und Suspension im Handel, denn wichtig ist, dass die Zubereitung durch eine möglichst große Oberfläche viel Säure binden kann.

Blähungen (Flatulenz) können mit Antischaummittel aus Dimeticon oder Simeticon behandelt werden, die ebenfalls in Form von Kautabletten oder Suspensionen zur Verfügung stehen. Ebenso gibt es Extraktmischungen mit krampflösender und verdauungsanregender Wirkung, die auch gegen Völlegefühl eingenommen werden. Sie enthalten meist ätherische Öle und Bitterstoffe. Um die Verdauung wieder in Gang zu bringen, eignet sich die Kombination der Extrakte aus Angelikawurzel (Angelicae radix), Benediktenkraut (Cnicus benedictus) und Pfefferminzblättern.

Pfefferminze wird auch mit dem ätherischen Öl des Kümmels kombiniert. Bekannt ist auch die Kombination der Extrakte aus Bitterer Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel, Kamillenblüten (Matricariae flos), Kümmelfrüchten (Carvi fructus), Mariendistelkraut (Cardui mariae herba), Melissenblätter (Melissae folium), Pfefferminzblätter (Menthae piperitae folium), Schöllkraut (Chelidonii herba) und Süssholzwurzel (Liquiritiae radix).

Bei akuter Verstopfung (Obstipation) brauchen Ihre Kunden schnellwirkende Laxantien, wie Mini-Klistiere, Zäpfchen aus Glycerin oder Zubereitungen mit den Wirkstoffen Natriumpicosulfat (Tropfen, Tabletten) oder Bisacodyl (Zäpfchen, Tropfen, Dragees). Bei Durchfällen (Diarrhoe) sollte unbedingt dem Flüssigkeitsverlust mittels Elektrolyt-Zubereitungen vorgebeugt werden. Zusätzlich können die Wirkstoffe Racecadotril, Loperamid oder medizinische Kohle, Zubereitungen aus Ethacridin und natürlichem Tannin (Kombination aus Desinfiziens und Gerbstoff) oder Hefepilz-Zubereitungen aus Saccharomyces boulardii genommen werden.

Bei Verletzungen der Haut können Lösungen, Gele oder Cremes, die Desinfektionsmittel wie Chlorhexidingluconat oder Octenidin-Hydrochlorid enthalten, zur Wunddesinfektion eingesetzt werden. Anschließend kann die Anwendung einer Wund- und Heilsalbe mit Tyrothricin, Dexpanthenol oder Hamamelisblätter-Extrakt angewendet werden. Wichtig sind auch Repellentien zur Abwehr von Insekten und Prävention von Insektenstichen. Es sind hier unterschiedliche Wirkstoffe wie Icaridine, Diethyltoluamid (DEET) in Lösungen, Sprays oder Emulsionen verarbeitet.

Ebenfalls wirksam sind Mischungen von ätherischen Ölen aus Eukalyptus-, Citronella-, Thymian-, Teebaum- oder Lemongrasöl. Nach dem Stich können antiallergisch wirkende Gele oder Cremogele äußerlich angewendet werden. Sie lindern leicht bis mittelstark ausgeprägte Reaktionen auf Insektenstiche und können ebenso bei leichtem Sonnenbrand, Juckreiz und leichten allergischen Hautreaktion angewendet werden. Es gibt verschiedenen Zubereitungen mit Dimetindenmaleat, Bamipin oder Hydrocortison in Konzentrationen von 0,25 und 0,5 Prozent.

Für Sportverletzungen wie Prellung, Verstauchung und Hämatom gibt es topische Zubereitungen mit Diclofenac oder Ibuprofen sowie eine gut wirksame pflanzliche Alternative aus Beinwellwurzelextrakt.

Das Arzneischränkchen

Weisen Sie Ihre Kunden darauf hin, dass die Hausapotheke vor dem Zugriff von Kindern geschützt sein und die Arzneimittel an einem trockenen, kühlen Ort verschlossen gelagert werden müssen. Es ist sinnvoll, die Arzneimittel in den Originalverpackungen mit den entsprechenden Beipackzetteln aufzubewahren.

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