• Chronische Übersäuerung
  • PTA-Fortbildung
01. Februar 2017

Ein sensibler Balanceakt

Frau balanciert auf Stein
Ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Säuren und Basen ist eine der Grundvoraussetzungen für den reibungslosen Ablauf unseres Stoffwechsels. Was stört dieses empfindliche Gleichgewicht und welche Folgen kann das für die Gesundheit haben?

Das Säure-Basen- Gleichgewicht im Blut und in den Organen ist ein physiologischer Regelkreis, der ununterbrochen daran arbeitet, ein konstantes Verhältnis zwischen Säuren und Basen aufrechtzuerhalten. Vor allem Säuren entstehen ständig im Stoffwechsel oder werden dem Körper über die Ernährung zugeführt. Mit verschiedenen Maßnahmen, wie zum Beispiel den Puffersystemen, reagiert der Organismus darauf. Dies ist notwendig, da viele Abläufe im Stoffwechsel nur in einem engen pH-Bereich funktionieren. Schon geringe Veränderungen innerhalb des Normbereichs können zum Beispiel die Strukturen von Proteinen und damit auch von Enzymen verändern. Dies beeinflusst sämtliche Stoffwechselvorgänge. Auch die Permeabilität von Membranen ist pH-abhängig, was wiederum Einfluss auf die Elektrolytverteilung hat. Ebenso kann die Funktion des Bindegewebes beeinträchtigt werden.

Bindegewebe

Akut oder Chronisch? Im menschlichen Körper herrscht jedoch kein einheitlicher pHWert. Der physiologische pHWert ist je nach Aufgabe des Organs ganz unterschiedlich. So benötigt beispielsweise der Magen ein sehr saures Milieu, um Krankheitserreger unschädlich zu machen und mit der Verdauung der Nahrung zu beginnen. Sein pH-Wert liegt bei 1,2 bis 3. Die Gallenflüssigkeit dagegen ist mit 7,4 bis 7,7 schwach alkalisch, während das Sekret der Bauchspeicheldrüse sogar stark alkalisch ist. Auf diese Weise wird im Zwölffingerdarm der aus dem Magen kommende saure Speisebrei neutralisiert. Der pH-Wert des Blutes liegt in einem sehr engen Normbereich zwischen 7,35 und 7,45. Verschiebt sich das Gleichgewicht auf Werte unter 7,35, spricht man schon von einer akuten Azidose.

Ursachen können schwere Nierenfunktionsstörungen, chronische Lungenerkrankungen oder eine diabetische Ketoazidose (bei entgleistem Diabetes mellitus) sein. Liegt der Blut-pH über 7,45, so handelt es sich um eine akute Alkalose. Dies ist beispielsweise bei Hyperventilation durch das übermäßige Abatmen von CO2 möglich. Beides – akute Azidose und Alkalose – sind lebensbedrohliche Notfälle, die einer sofortigen intensivmedizinischen Behandlung bedürfen. Ganz anderes verhält es sich bei einer chronischen Übersäuerung, bei der der Blut-pH-Wert nur geringfügig innerhalb des Normbereichs zum Sauren hin verschoben ist. Diese latente Azidose ist deshalb problematisch, weil sie sich schleichend entwickelt und oft nicht bemerkt wird.

Unspezifische Funktionsstörungen, wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit oder verschiedene körperliche Beschwerden, wie Muskel- und Gelenkschmerzen können Symptome einer chronischen Übersäuerung sein. Säureelimination Die beiden wichtigsten Organe bei der Regulation des Säure-Basen-Haushalts sind die Nieren und die Lunge. Die Niere kann als einziges Organ direkt Säure ausscheiden – meist in gebundener Form als Ammoniumion. Die Lunge sorgt durch Abatmen von CO2 für eine Stabilisierung des pH-Wertes im Blut. Allerdings entsteht dieses CO2 durch den Zerfall von Kohlensäure (H2CO3) und diese wiederum entsteht, wenn Bicarbonat (HCO3-) aus dem Blut Säure, also Protonen (H+), aufnimmt. Das heißt jedoch, dass für jedes Proton auch ein Molekül Bicarbonat verbraucht wird.

Die Lunge kann Säure also nur durch den gleichzeitigen Verbrauch einer äquivalenten Menge an Base ausscheiden. In Summe wird der Säure-Basen-Haushalt durch das Abatmen von CO2 also nicht positiv beeinflusst.

Puffersysteme sorgen für Stabilität Neben Nieren und Lunge verfügt der Organismus über verschiedene Puffersysteme, um den pH-Wert konstant zu halten. Ein Puffer besteht immer aus einer Säure, die H+-Ionen abgeben kann, und ihrer korrespondierenden Base, die H+-Ionen aufnehmen kann. So kann das System eine bestimmte Menge Säure oder Base abfangen, ohne dass sich der pH-Wert zum Beispiel bei Zugabe von Säure verändert. Für die Konstanthaltung des BlutpH- Wertes ist vor allem der Bicarbonat- Puffer verantwortlich.

Er besteht aus Kohlensäure und der dazugehörigen korrespondierenden Base, dem Bicarbonat. Dieses System macht 75 Prozent der Pufferkapazität des Blutes und 52 Prozent der Gesamtpufferleistung des Körpers aus. Weitere, jedoch untergeordnete Puffersysteme des Körpers sind der Hämoglobin- Puffer in den Erythrozyten sowie der Phosphat- und der Protein-Puffer im Blutplasma. Nachteil sämtlicher Puffersysteme ist, dass sie sich verbrauchen und deshalb ständig regeneriert werden müssen. 

Sind Sie Fachpersonal aus dem pharmazeutisch-technischen Umfeld?
Zur PTA Webseite